Die ersten Schritte und die Sache mit der Motivation

Aller Anfang ist schwer, und aus meiner Sicht ist die schwerste Hürde die Selbsterkenntnis. Es ist völlig sinnlos sich über Gegebenheiten aufzuregen und zu ärgern, die nicht zu ändern sind, aber jeder von uns hat es in der Hand, Situationen, die einen ärgern, entgegenzutreten. Wer sich immer über die schlechte Wirtschaftslage beschwert (die wir nachweislich die letzten zehn Jahr ganz und gar nicht hatten) oder die hohen Steuern und Abgaben, sollte sich damit einmal eingehender beschäftigen.

Aber zunächst zu mir:

Der Wunsch und die Erkenntnis, dass eine Änderung herbeigeführt werden muss, sollte immer von einem selbst kommen. Niemand kann von außen gezwungen oder überzeugt werden, wenn nicht der eigene Wille (oder in finanzieller Hinsicht auch der Schmerz) die nötige Motivation liefert.

Vor einigen Jahren reiste ich mit meiner Freundin Anja durch die USA. Eine Reise die sehr schön war und unsere Freundschaft erst zu dem machte, was sie heute ist. Diese Geschichte werden wir Euch vielleicht mal an anderer Stelle erzählen J

Die Reise war (für mich) sehr kurzfristig geplant, denn ich hatte zu dem Zeitpunkt keinerlei Ersparnisse. Ich versuchte daher in den wenigen Monaten mir das benötigte Budget zusammenzusparen. Dies fiel mir sehr schwer, und ich schaffte es nur durch ein kleines Sponsoring seitens meiner Familie. Anja sparte das Geld so ganz nebenbei und ohne an ihre Reserven zu gehen.

Da Anja mich nun schon gut kannte und ich zu der oben erwähnten Jammer-Kategorie gehörte, bot sie mir an, meine Einnahmen und Ausgaben mal anzusehen. Irgendwo musste doch das Geld Leck sein.

Also setzten wir uns hin und sortierten zunächst alle Posten nach Einnahmen und Ausgaben und festen Verbindlichkeiten. Mein Konsumrausch fiel schon zu dem Zeitpunkt schnell auf, sodass die Ursache schnell aufgespürt war.

Anja, die schon seit jeher ein Haushaltsbuch führte, bastelte mir eine Tabelle, mit denen ich meine Finanzen jederzeit im Blick hatte und einfach planen konnte. Einfacher ging es wirklich nicht. Doch war ich damals bereit, auf das neuste Smartphone zu verzichten? Oder die „Season-Sales“ oder „Black Fridays“, Restaurantbesuche und Kinobesuche? Natürlich nicht. Da ich in meiner kleinen Eigentumswohnung kaum Kosten hatte, fühlte ich mich sicher und lebte gerne am Limit meiner Finanzen. Anfangs wurde die Tabelle noch mit Begeisterung geführt, doch mit jedem Tag des Monats sagte mir mein Haushaltsbuch, dass ich doch besser verzichtet hätte.

Gerne würde ich an dieser Stelle sagen, dass ich die Notbremse gezogen hatte, doch auch dies war leider nicht der Fall. Es war eher so, dass ich mich bei meiner Familie durchfutterte und mir von meinen kargen Ersparnissen das benötigte Geld auf mein Girokonto umbuchte. Als das später nicht mehr ausreichte, nahm ich auch liebend gerne den Dispositionskredit meiner Bank in Anspruch.

Das Haushaltsbuch, das mir mein eigenes Versagen vor Augen führte, habe ich nach und nach ignoriert und die Eintragungen mal eben weggelassen.

Für jemanden der selbst mal als Sachbearbeiterin für Zwangsvollstreckung zuständig war, kam schon zu der Zeit das innerliche Signal: ab hier wird es gefährlich. Ich habe zwar meinen Dispo gerne ausgereizt, aber immerhin konnte das immer durch mein Gehalt gedeckt werden. Ich war nie in dem Bereich, in dem ich für Konsumschulden hohe Kredite aufgenommen habe oder mich überschuldet habe (auch dies wird zu späterer Zeit ein wichtiges Thema werden).

Dennoch schämte ich mich entsetzlich und traute mich nicht, mit jemandem darüber zu reden. Die Scham war zu groß.

Nachdem der Urlaub aufgrund unvorhergesehener Ereignisse sich um fast zwei Wochen unfreiwillig verlängerte, stand ich am Ende noch mit einem dicken Minus auf meinem Kreditkartenkonto da. Das Abstottern dieser hohen Summe hat zwei Jahre gedauert.

Während der Zeit unseres Studiums habe ich die finanzielle Komponente ebenfalls völlig aus dem Blick verloren. Es standen andere Dinge im Vordergrund, und obwohl ich für zwei Jahre für nichts Zeit hatte, galt das anscheinend nicht für Onlineshopping (wäre ich zu der Zeit damals schon in gewissen Aktien investiert gewesen, hätte ich zumindest sagen können, für die Gewinnsteigerung und dem guten Börsenkurs verantwortlich zu sein).

Um es auf den Punkt zu bringen: Ich war schlimmer im Minus als ich es je zuvor war und meine Kreditkarte wurde nun durch neue „Investitionen“ belastet.

Als ich eines Tages mit Anja zusammen lernte, erwähnte sie zufällig, dass sie mal „wieder“ auf ihr Konto geschaut hat und sich gewundert habe, dass schon Gehalt auf ihrem Konto sei. Es war noch nicht Monatsende! Die Lösung lag auf der Hand: Sie hatte außer Lebensmittel rein gar nichts ausgegeben (und ja, alle Rechnungen waren natürlich bezahlt). Hier kam zum ersten Mal der Verdacht auf, ob ich vielleicht ein Suchtproblem haben könnte, weil ich mich für den Stress mit Einkäufen belohnen würde.

Wir beschlossen das Thema nach unserem Abschluss erneut anzugehen und konzentrierten uns weiter auf die „wichtigen“ Dinge. 

An dieser Stelle möchte ich meinen ersten und eindringlichsten Rat geben. Egal wie schlimm es finanziell bei euch aussieht, verschließt davor nicht die Augen und verfolgt das Geschehen! Es ist nichts schlimmer, als diesen immens wichtigen Bereich sich selbst zu überlassen. Und wenn Ihr darüber reden könnt, vertraut Euch Nahestehenden Menschen an, damit die Euch immer wieder daran erinnern.

Die nachfolgenden Monate sahen nicht besser aus, denn nach dem Studium kam die Zusage zu der neuen Stelle, der zu planende Umzug und die hohen Instandhaltungskosten für meine Wohnung, damit ich sie vermieten konnte.

Hierbei sind wir an dem Stand angekommen, den ich in meinem letzten Beitrag beschrieben habe: die Wendepunkte. Und genau hier ging meine Reise los, auf der ich bisher sehr viel lernen durfte. Und immer mit Rat und Tat an meiner Seite: Anja. Die Frau, die Geld förmlich anlockt und immer wieder zufällig feststellt, dass sich noch zwei volle Gehälter auf ihrem Konto befinden. Anja wird Euch auf diesen Seiten ebenso viele Tipps und Ratschläge zur Verfügung stellen und Euch mit guten ersten Hilfsmitteln wie Haushaltsbüchern versorgen.

Gemeinsam beschreitet sich jeder Weg gleich viel leichter.

Bis bald,

Christine

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